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Themenblock III: Ausgewählte Beeinträchtigungen und Möglichkeiten ihrer Beobachtung und Dokumentation. Autismus und Autismusdiagnostik. Das Autismus-Spektrum Schematische Darstellung. Das Autismus-Spektrum. In der klinischen Praxis werden meist die folgenden Formen von Autismus unterschieden:
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Themenblock III:Ausgewählte Beeinträchtigungen und Möglichkeiten ihrer Beobachtung und Dokumentation Autismus und Autismusdiagnostik D.1 Theorien über Entwicklungs- und Lernprozesse und ihre Beeinträchtigungen
Das Autismus-Spektrum • In der klinischen Praxis werden meist die folgenden Formen von Autismus unterschieden: • Frühkindlicher Autismus (niedrig- vs. hochfunktional) • Atypischer Autismus • Asperger-Syndrom • Gemeinsamkeiten • eingeschränkte soziale Interaktion, • eingeschränkte Kommunikation (v.a. nonverbal), • repetitive Verhaltensmuster (Stereotypien). • Je nach Intensität der Ausprägung werden betroffene Personen innerhalb dieses Spektrums eingeordnet. • Inselbegabung ca. 10% „Savants“
Das Autismus-SpektrumUnterscheidung der Autismusformen • Frühkindlicher Autismus (hoch-funktional) • Ausprägungsgrade für Laien nur schwer von der Normalität unterscheidbar, • normale bis hohe Intelligenz, tw. Hochbegabung, • häufig motorische Störungen (Koordination), • Probleme beim Verstehen von Metaphern. • Asperger-Syndrom • normale bis hohe Intelligenz, tw. Hochbegabung • extreme Ichbezogenheit • eingegrenzte Interessen • repetitive Routinen • nonverbale Kommunikationsprobleme • motorische Unbeholfenheit.
Epidemiologie und Prävalenz Frühkindlicher Autismus: 0,5% 4:1-Verhältnis von Jungen und Mädchen Asperger-Syndrom: ca. 1,5% der Bevölkerung 4:1- bis 8:1-Verhältnis zuungunsten der Jungen Keine systematischen Studien zur Häufung von atypischem Autismus.
PrognoseLangzeitverlauf • Autistische Störungen gehören nach dem Schwerbehindertenrecht zur Gruppe der psychischen Störungen • Grad der Behinderung: • 50-80% beim Typ Asperger oder hoch-funktionalen A. • 100% beim niedrig-funktionalen und atypischen A. • Besserung des Symptombilds • ca. 10-15% der Menschen mit frühkindlichem Autismus erreichen eine eigenständige Lebensführung • Entwicklungsprozess von Menschen mit Asperger-Syndrom wird mit der Erstellung eines Puzzles verglichen „Rätsel des Sozialverhaltens“ kann gelöst werden.
PrognoseLangzeitverlauf • Beschulung richtet sich nach Intelligenz, Sprachentwicklung und dem Ausprägungsgrad • Bei normaler Intelligenz- und Sprachentwicklung: • Regelbeschulung, • reguläre Berufsausbildung/Studium, • Problem: hohe soziale Anforderungen der heutigen Arbeitswelt • Bei geringer Intelligenz und Sprachentwicklungsstörungen: • Lernhilfe-Schule • Werkstatt für Menschen mit Behinderungen
Diagnostik bei Verdacht auf Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) • Besteht eine autistische Störung? • Auffälligkeiten im Sozialverhalten • Auffälligkeiten in der Kommunikation/Sprache • Auffälligkeiten in Stereotypien und Wunsch nach Gleichem • Wie ist der Entwicklungsstand und die Intelligenz? • normal oder verzögert • Spezielle Defizite und Fähigkeiten • Intelligenzprofil
Diagnostik bei Verdacht auf Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) Welche Zusatzprobleme bestehen? Organische Auffälligkeiten, z.B. Hören und Sehen Schlafprobleme, Essprobleme etc. Aufmerksamkeitsstörungen Sensorische und motorische Auffälligkeiten Welche frühen Anzeichen gibt es? Warnzeichen Fähigkeiten und Defizite Wie ist das soziale Umfeld? Familiengeschichte Geschwisterposition Erziehungsstil
Diagnoseinstrumente Diagnosekriterien nach ICD-10 und DSM-IV Beobachtungsbögen + Fragebogenerhebungen Checklist for Autism in Toddlers, CHAT (Baron-Cohen, 1992) Erhebungsbogen zur Beurteilung der Ausprägung des Autismus-Syndroms (Childhood Autism Rating Scale, CARS, Steinhausen, 1996) Beobachtungsbogen I + II von Kalde (1992) Autismus-Diagnose-Interview (Autism Diagnostic Interview Schedule, ADI-R, dt. Fassung Bölte & Poustka, im Druck) Autism Diagnostic Observation Schedule (ADOS-G, dt. Fassung Rühl et al., 2004)
DiagnoseinstrumentePEP-R (Psychoeducational Profile) Verhaltens- und Kompetenzinventar Entwicklungsorientierter Ansatz in der Förderdiagnostik von Kindern mit Autismus und verwandten Entwicklungsbehinderungen Grundlage für die Erstellung von Individuellen Entwicklungsplänen (IEP) Konzeption im Rahmen des TEACCH-Programms (Schopler et al., 1990; dt. Übersetzung von Häußler, 2000)
DiagnoseinstrumentePEP-R (Psychoeducational Profile) 7 Entwicklungsbereiche Imitation, Wahrnehmung, Fein- und Grobmotorik, Auge-Hand-Koordination, Kognitive Leistungen, Sprachliche Leistungen. 4 Verhaltensbereiche Soziale Bezogenheit, Affektivität, Spiel und Interesse an Materialien, Sensorische Reaktionen und Sprache. (Schopler et al., 1990; dt. Übersetzung von Häußler, 2000)
DiagnoseinstrumentePEP-R (Psychoeducational Profile) Aufgaben Imitation: 16 Items wichtige soziale Lernvoraussetzung grobmotorische Bewegungen, Nachahmung von Materialgebrauch, Imitation von Lauten und Wörtern Wahrnehmung: 13 Items Basis allen Lernens z.B. Verfolgen von Seifenblasen mit den Augen, Anschauen von Bildern in einem Buch, Orientierung nach Geräuschquellen. z.B. Diskrimination von Formen, Größen und Farben; Objektpermanenz. Fein- und Grobmotorik: 16 Items bzw. 18 Items z.B. Aufdrehen eines Schraubverschlusses, Schneider mit einer Schere, Auffädeln von Perlen. z.B. selbstständiges Laufen, Treppensteigen, Balancieren auf einem Bein, Fangen eines Balles. (Schopler et al., 1990; dt. Übersetzung von Häußler, 2000)
DiagnoseinstrumentePEP-R (Psychoeducational Profile) Aufgaben Auge-Hand-Koordination: 15 Items Kompetenzen, die für das Schreiben und Zeichnen notwendig sind, z.B. Kritzeln auf Papier, Ausmalen von Flächen, Nachfahren und Abzeichnen von Formen, Stapeln von Bauklötzen. Kognitive Leistungen: 26 Items z.B. Zeigen auf benannte Körperteile, Finden eines versteckten Gegenstandes. Verbale Leistungen: 27 Items z.B. Zählen, Benennen von Buchstaben und Zahlen, Nachsprechen von Sätzen, Vorlesen (Schopler et al., 1990; dt. Übersetzung von Häußler, 2000)
DiagnoseinstrumentePEP-R (Psychoeducational Profile) Gütekriterien Reliabilität Inter-Rater-Reliabilität: r = .92 Validität Inhaltliche Validität Ableitung aus dem CARS Konvergente Validität (Schopler et al., 1990; dt. Übersetzung von Häußler, 2000)
Differentialdiagnostik • Schizophrenie • Halluzinationen und Wahn treten beim Autismus nicht auf! • Schizoide Persönlichkeitsstörung • Im Gegensatz zum atypischen und frühkindlichem Autismus keine Intelligenzminderung! • Autistisches Verhalten (z.B. bei Hospitalismus, Kindesmisshandlung) • Autismus tritt primär, d.h. von Geburt an auf! • Zwangsstörungen • Sozial- und Kommunikationsfähigkeit normal ausgeprägt!
Differentialdiagnostik • Bindungsstörung • Sprachvermögen intakt, • Abgrenzung zum Asperger und hoch-funktionalen Autismus schwierig (deshalb: Anamnese, neuropsychologische Tests) • Fragiles-X-Syndrom • Genetischer Defekt Chromosomenanalyse • Essstörungen (Magersucht) • Rigide Essgewohnheiten und soziale Isolation sind nur zeitlich begrenzt und verschwinden, wenn die Ursache behoben ist.
Komorbide Störungen • Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung • Epilepsie • Nonverbale Lernstörung • Gesichtsblindheit (Prosopagnosie) • Bleibt die autistische Störung länger unbehandelt • Depressionen, Psychosen, Phobien, Zwangs-, Ess- und Schlafstörungen, posttraumatische Belastungsstörungen
Literaturempfehlungen • Bernard-Opitz, V. (2003). Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) (2. Aufl.). Stuttgart: Kohlhammer. • Häußler, A. (2000). Dt. Übersetzung von Schopler, E., Reichler, R.J., Bashford, A., Lansing, M.D. & Marcus, L.M. (1990). PEP-R. Entwicklungs- und Verhaltensprofil. Dortmund: verlag modernes lernen. • Rollett, B. & Kastner-Koller, U. (2007). Praxisbuch Autismus für Eltern, Erzieher, Lehrer und Therapeuten (3. Aufl.). München: Elsevier.